
Es beginnt harmlos: Sie kommen nach Wochen zurück ans Fahrzeug, drehen den Hahn auf, und aus der Leitung kommt Wasser, das ein wenig muffig riecht. Ein Schulterzucken, kurz laufen lassen, weiter geht die Reise. Dabei kann genau hier eine unsichtbare Gefahr lauern: Legionellen im Frischwassertank. Diese Bakterien vermehren sich im warmen, stehenden Wasser und werden vor allem beim Duschen zum Problem - denn dann atmen Sie den feinen Sprühnebel ein.
Für die meisten gesunden Menschen bleibt das folgenlos. Für ältere oder immungeschwächte Reisende jedoch, und damit für einen großen Teil der Camper, kann eine Infektion ernst werden. Grund genug, das Thema Wasserhygiene nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Vorgehen senken Sie das Risiko deutlich - mit wenigen Handgriffen, die schnell zur Routine werden.
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in geringer Zahl in Wasser vorkommen. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich stark vermehren und in die Lunge gelangen. Der entscheidende Weg ist nicht das Trinken, sondern das Einatmen feiner Wassertröpfchen - beim Duschen also, wenn das Wasser zerstäubt. Verschlucktes Wasser macht die Magensäure in aller Regel unschädlich. Gerät Wasser jedoch versehentlich in die Luftröhre, kann auch das eine Infektion auslösen; betroffen sind davon vor allem Menschen mit Schluckstörungen.
Die dadurch ausgelöste Legionärskrankheit ist eine schwere Form der Lungenentzündung. Bei jungen, gesunden Menschen verläuft eine Ansteckung oft mild oder unbemerkt. Doch ältere Menschen, Raucher und alle mit geschwächtem Immunsystem tragen ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Weil gerade viele Reisemobilisten in diese Gruppe fallen, verdient das Thema hier besondere Aufmerksamkeit.
Sicherheitshinweis: Duschen Sie nicht mit Wasser aus einem Tank, in dem das Wasser über Tage oder Wochen warm gestanden hat, ohne es vorher zu erneuern oder zu desinfizieren. Der eingeatmete Sprühnebel kann Legionellen enthalten und eine schwere, im Einzelfall lebensbedrohliche Lungenentzündung auslösen - besonders bei älteren und immungeschwächten Personen.
Zwei Bedingungen machen den Frischwassertank zum Brutplatz. Die erste ist die Temperatur. Legionellen vermehren sich am wohlsten zwischen etwa 25 und 45 Grad - genau der Bereich, in den sich ein Wassertank an einem warmen Sommertag leicht aufheizt. Oberhalb von etwa 55 Grad kommt die Vermehrung zum Erliegen, bei 60 Grad sterben die Bakterien nach wenigen Minuten ab, bei 70 Grad innerhalb von Sekunden. Entscheidend ist dabei nie die Temperatur allein, sondern wie lange sie tatsächlich anliegt.
Die zweite Bedingung ist der Stillstand. Frisch gezapftes Wasser ist selten das Problem. Gefährlich wird es, wenn Wasser tagelang im Tank und in den Leitungen steht - etwa in der Standzeit zwischen zwei Reisen. Im warmen Bereich zwischen 25 und 45 Grad brauchen die Bakterien keine Wochen, sondern Tage, um sich deutlich zu vermehren. Dann haben die Bakterien Zeit und Wärme, um sich zu vermehren. Aus diesen beiden Faktoren ergibt sich schon die halbe Lösung: Wärme und Stillstand vermeiden.
Die beste Wasserhygiene ist die, bei der Legionellen gar nicht erst zum Thema werden. Ein paar einfache Gewohnheiten reichen dafür schon weit.
Lassen Sie Wasser nicht tagelang im Tank stehen. Wenn das Fahrzeug länger steht, entleeren Sie den Frischwassertank, die Leitungen und den Boiler so weit wie möglich - je weniger Wasser im System bleibt, desto weniger können sich Keime halten. Restlos trocken bekommen Sie eine Bordanlage allerdings nie, und der Biofilm an den Leitungswänden übersteht auch eine trockene Pause. Spülen Sie deshalb vor der ersten Nutzung gründlich durch. Füllen Sie vor der nächsten Reise frisch nach und zapfen Sie Wasser möglichst nur an Trinkwasserstellen. Spülen Sie den Einfüllstutzen und den Schlauch vorher kurz durch.
Auch der Standort hilft: Ein Tank, der in der prallen Sonne auf Betriebstemperatur der Bakterien aufheizt, ist ungünstiger als einer im schattigen, kühlen Doppelboden. Und wer viel unterwegs ist und das Wasser ohnehin oft wechselt, hat mit Legionellen selten Ärger - Bewegung im System ist der natürliche Feind der Keime.
Steht doch einmal eine gründliche Desinfektion an - etwa zum Saisonstart oder nach langer Standzeit -, ist die thermische Methode die schonendste. Sie nutzt schlicht Hitze. Entscheidend ist dabei nicht die Temperatur allein, sondern die Zeit. Truma beschreibt das Vorgehen für die eigenen Geräte so: Wassertemperatur auf 60 Grad stellen, das Gerät danach mindestens 30 Minuten eingeschaltet lassen und in dieser Zeit kein Warmwasser entnehmen - erst die Restwärme im Wärmetauscher bringt das Wasser auf rund 70 Grad. Öffnen Sie erst anschließend eine Warmwasser-Zapfstelle nach der anderen und lassen Sie sie jeweils einige Minuten laufen, bis überall heißes Wasser ankommt. So senken Sie die Keimbelastung in Boiler und Warmwasserleitungen deutlich. Welche Temperatur und welche Haltezeit Ihr Gerät braucht, steht in dessen Anleitung - nicht jeder Boiler kann das in jedem Betriebsmodus.
Ein wichtiger Punkt, der oft untergeht: Die Hitze aus dem Boiler erreicht vor allem die Warmwasserseite. Der Tank selbst und die Kaltwasserleitungen werden dabei nicht heiß. Für eine wirklich gründliche Hygiene sollten Sie deshalb auch den Tank reinigen - mechanisch, mit einem weichen Tuch an den erreichbaren Stellen, und bei Bedarf mit einem geeigneten Mittel. Denken Sie beim Umgang mit heißem Wasser an den Verbrühungsschutz, gerade wenn Kinder mitreisen. Und schützen Sie sich beim Spülen selbst: Sie lassen dabei Wasser aus genau dem System laufen, das Sie für belastet halten - und erzeugen mit Brausekopf und Strahlregler ausgerechnet den feinen Nebel, über den Legionellen in die Lunge gelangen. Nehmen Sie Duschkopf und Strahlregler deshalb vorher ab, spülen Sie mit vollem, ruhigem Strahl, öffnen Sie Fenster und Dachluke und halten Sie sich währenddessen so wenig wie möglich im Bad auf.
Wo die Hitze nicht hinkommt oder eine gründlichere Reinigung nötig ist, helfen Desinfektionsmittel. Hier ist Sorgfalt gefragt, denn nicht alles, was desinfiziert, verträgt sich mit Ihrem Fahrzeug.
Verwenden Sie Produkte, die ausdrücklich für Frischwassertanks in Freizeitfahrzeugen freigegeben sind. Finger weg von scharfen Haushaltsreinigern, die nicht für Trinkwassersysteme gedacht sind: Sie können Dichtungen, Kunststoffteile und den Boilerbehälter angreifen und teure Schäden verursachen. Bei Mitteln aus dem Campingfachhandel kommt es vor allem auf Dosierung und Einwirkzeit an. Beachten Sie immer die Freigaben und Angaben in Ihrem Fahrzeug- und Aufbauhandbuch, welche Mittel und welche Konzentration für Ihre Anlage zulässig sind.
Nach jeder chemischen Behandlung gilt: gründlich nachspülen, und zwar mit so viel Wasser und so lange, wie der Hersteller des Mittels es vorgibt. Dass nichts mehr zu riechen oder zu schmecken ist, hilft als Anhaltspunkt, ersetzt die Herstellerangabe aber nicht - manche Rückstände nehmen Sie sinnlich gar nicht wahr.
Der sauberste Tank nützt wenig, wenn das Wasser durch einen verkeimten Schlauch hineinläuft. Verwenden Sie zum Befüllen nur einen lebensmittelechten, für Trinkwasser geeigneten Schlauch. Halten Sie ihn strikt getrennt vom Abwasserschlauch - am besten farblich eindeutig gekennzeichnet - und lagern Sie ihn sauber und trocken, nicht zusammengeknäuelt im Schmutz der Heckgarage.
Bringen Sie den Frischwasserschlauch nie in Kontakt mit dem Toiletten- oder Abwasserbereich. Diese Trennung klingt selbstverständlich, wird aber im Alltag am Entsorgungsplatz schnell einmal vergessen - und ein einziger solcher Kontakt kann genügen, um den frisch gereinigten Tank dauerhaft zu verkeimen.
Damit die Wasserhygiene nicht zur ständigen Grübelei wird, hilft eine einfache Gewohnheit über die Saison - ein Rhythmus, der die kritischen Momente abdeckt, ohne Sie zu belasten.
Zum Saisonstart gehört der gründliche Durchgang: Tank und Leitungen reinigen, den Boiler nach Herstellerangabe thermisch desinfizieren - also aufheizen und die Haltezeit ohne Wasserentnahme abwarten - und anschließend durch alle Warmwasserhähne spülen, bei Bedarf mit einem freigegebenen Mittel nachhelfen. So beginnen Sie die Reisezeit mit einem sauberen System, egal wie lange das Fahrzeug über den Winter stand.
Während der Reise ist Bewegung der beste Schutz. Wer sein Wasser häufig wechselt, frisch zapft und den Tank nicht tagelang randvoll in der Sonne stehen lässt, gibt den Keimen kaum eine Chance. Vergessen Sie dabei den Duschkopf nicht: In Brausesieb und Brauseschlauch bleibt nach jedem Duschen Wasser stehen, und dort setzt sich ein Biofilm fest - ausgerechnet an der Stelle, an der später der Sprühnebel entsteht. Entkalken und reinigen Sie Brausekopf und Strahlregler regelmäßig. Bei längeren Standpausen mitten in der Saison lohnt es, den Tank vor der Weiterfahrt zu leeren und frisch zu füllen.
Und am Saisonende gilt die goldene Regel: alles entleeren. Ein weitgehend entleertes System kommt deutlich besser durch die Standzeit - keimarm und weitgehend frostsicher. Restlos trocken bekommen Sie es allerdings nie: In Tiefpunkten, Pumpe, Filter und Boiler bleibt Wasser zurück. Lassen Sie deshalb das Ablass- oder Sicherheitsventil offen und die Mischhähne in Mittelstellung, so wie es Ihr Handbuch vorgibt. Wer diesen schlichten Dreiklang aus Saisonstart, Bewegung und Winterentleerung einhält, muss sich über Legionellen im Frischwassertank im Alltag kaum Gedanken machen.
Legionellen sind kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund zur Sorgfalt. Wer versteht, dass Wärme und Stillstand die Bakterien füttern, hat das Wichtigste begriffen: Lassen Sie Wasser nicht tagelang stehen, entleeren Sie das System in der Standzeit, zapfen Sie frisch an Trinkwasserstellen und halten Sie Tank und Schlauch sauber. Wo eine Desinfektion nötig ist, setzen Sie auf Hitze und auf freigegebene Mittel statt auf scharfe Hausmittel.
Diese wenigen Gewohnheiten kosten kaum Zeit und schützen Ihre Gesundheit. Denn der erste Kaffee am Morgen und die warme Dusche nach einer langen Wanderung sollen guttun - und nicht das Risiko bergen, das ein vergessener, warm gewordener Tank mit sich bringt.
Bei welcher Temperatur sterben Legionellen ab?
Legionellen vermehren sich vor allem zwischen etwa 25 und 45 Grad. Oberhalb von rund 55 Grad kommt die Vermehrung zum Erliegen, bei 60 Grad sterben sie nach wenigen Minuten ab, bei 70 Grad innerhalb von Sekunden. Entscheidend ist deshalb nicht die Temperatur allein, sondern die Zeit: Die Hitze muss lange genug einwirken. Welche Temperatur und welche Haltezeit Ihr Boiler dafür braucht, steht in der Anleitung Ihres Geräts.
Wie gefährlich sind Legionellen im Wohnmobil wirklich?
Beim Trinken sind sie meist unproblematisch. Gefährlich wird der feine Sprühnebel beim Duschen, den Sie einatmen. Für gesunde Menschen verläuft eine Ansteckung oft mild, für ältere und immungeschwächte Personen kann sie zu einer schweren Lungenentzündung führen. Vorsicht lohnt sich also gerade für die typische Camper-Zielgruppe.
Wie beuge ich Legionellen am besten vor?
Lassen Sie Wasser nicht tagelang stehen. Entleeren Sie Tank, Leitungen und Boiler in der Standzeit so weit wie möglich, füllen Sie vor der Reise frisch nach und zapfen Sie möglichst nur an Trinkwasserstellen. Wer sein Wasser häufig wechselt, hat mit Legionellen selten Probleme.
Wie desinfiziere ich den Frischwassertank thermisch?
Stellen Sie die Wassertemperatur am Boiler auf 60 Grad und lassen Sie das Gerät danach mindestens 30 Minuten eingeschaltet, ohne Warmwasser zu entnehmen - so beschreibt es Truma für die eigenen Geräte, denn erst die Restwärme im Wärmetauscher bringt das Wasser auf rund 70 Grad. Öffnen Sie erst anschließend jede Warmwasser-Zapfstelle einzeln und lassen Sie sie einige Minuten laufen. Beachten Sie: Tank und Kaltwasserleitungen werden dabei nicht heiß, diese sollten Sie zusätzlich reinigen. Achten Sie auf Verbrühungsschutz. Maßgeblich ist immer die Anleitung Ihres Geräts.
Kann ich Chlor oder Hausmittel zum Desinfizieren nehmen?
Nur mit Vorsicht. Verwenden Sie Produkte, die ausdrücklich für Frischwassertanks in Freizeitfahrzeugen freigegeben sind. Scharfe Haushaltsreiniger ohne Freigabe können Dichtungen, Kunststoffteile und den Boilerbehälter angreifen. Bei Mitteln aus dem Campingfachhandel entscheiden vor allem Dosierung und Einwirkzeit - halten Sie sich exakt an die Angaben des Herstellers. Nach der Behandlung immer gründlich nachspülen.
Welche Rolle spielt der Frischwasserschlauch?
Eine große. Verwenden Sie nur einen lebensmittelechten, für Trinkwasser geeigneten Schlauch, halten Sie ihn strikt vom Abwasserschlauch getrennt und lagern Sie ihn sauber und trocken. Ein verkeimter Schlauch trägt die Keime direkt in den frisch gereinigten Tank.







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