Wohnmobil Reifen richtig deuten: Alter, Lastindex und die CP-Kennung

Vier kleine Aufstandsflächen, kaum größer als eine Handfläche pro Reifen. Auf ihnen ruhen dreieinhalb Tonnen, oft mehr. Darauf steht Ihr ganzes Reisemobil - und alles, was drin ist. Wenn Sie wissen wollen, welchen Belastungen Ihre Wohnmobil-Reifen standhalten müssen, hilft ein einziger Blick auf die Flanke. Dort steht alles: das Alter, die Tragkraft, das Tempo, für das er freigegeben ist, oft ein Kürzel namens CP. Nur lesen müssen Sie es können.

Beim Pkw wechseln die meisten die Reifen, wenn das Profil abgefahren ist. Beim Reisemobil ist das der falsche Maßstab. Hier steht das Fahrzeug lange - im Winter Monate am Stück - und rollt dann voll beladen bei Hitze über die Autobahn. Ein Reifen mit acht Millimetern Restprofil kann trotzdem am Ende sein. Warum das so ist und woran Sie es erkennen, darum geht es hier.

Warum Wohnmobil-Reifen ein Sonderfall sind

Ein Reisemobil ist schwer, hoch und steht viel. Diese drei Eigenschaften machen die Reifen zu einer der kritischsten Stellen am ganzen Fahrzeug.

Das Gewicht: Ein Kastenwagen oder Teilintegrierter auf 3,5 Tonnen fährt oft am oberen Rand seiner Achslasten. Anders als der Pkw, der selten voll ausgelastet ist, ist Ihr Reisemobil im Urlaub praktisch immer voll - Wasser, Gasflaschen, Fahrräder, drei Wochen Gepäck. Der Reifen arbeitet dauerhaft nahe an seiner Grenze, mit wenig Reserve nach oben.

Die Höhe: Ein hoher, kastenförmiger Aufbau fängt Seitenwind, wankt in Kurven und drückt auf den kurvenäußeren Reifen. Die Flanke arbeitet stärker als beim flachen Auto.

Und die Standzeit: Zwischen zwei Reisen steht das Fahrzeug oft wochen-, im Winter monatelang auf demselben Fleck. Kaum ein anderes Fahrzeug wird so lange nicht bewegt und dann sofort wieder so hoch belastet. In dieser Kombination altern und leiden Wohnmobilreifen anders als jeder Pkw-Reifen.

Die DOT-Nummer: Wie alt ist Ihr Reifen wirklich?

Suchen Sie an der Reifenflanke nach den drei Buchstaben DOT. Dahinter steht eine Zeichenfolge, und die letzten vier Ziffern sind das, worauf es ankommt. Sie nennen Produktionswoche und -jahr.

Ein Beispiel: Endet die DOT-Nummer auf „2419“, wurde der Reifen in der 24. Woche des Jahres 2019 gebaut - also im Juni 2019. „0821“ hieße: achte Woche 2021, Ende Februar. Die ersten beiden Ziffern sind die Woche, die letzten beiden das Jahr. Mehr müssen Sie nicht rechnen.

Ein Hinweis am Rande, der viele überrascht: Die vollständige Datumsangabe steht oft nur auf einer Seite des Reifens. Wenn Sie sie außen nicht finden, sitzt sie auf der Innenseite - am einfachsten zeigt sie Ihnen die Werkstatt auf der Hebebühne.

Warum das Datum so wichtig ist? Weil Gummi altert, ganz gleich, ob der Reifen fährt oder nur steht. UV-Licht, Ozon, Temperaturwechsel und die Weichmacher, die mit den Jahren aus der Mischung entweichen - all das lässt das Material verhärten und spröde werden. Sie sehen es an feinen Rissen in den Flankenrillen, den sogenannten Haarrissen. Ein solcher Reifen hat vielleicht noch reichlich Profil und ist trotzdem gefährlich, weil das Gummi seine Elastizität verloren hat und bei Wärme und Last reißen kann.

Sicherheitshinweis: Ein überalterter, verhärteter, mit zu wenig Luft gefahrener oder für Ihr Gewicht zu schwach ausgelegter Reifen kann am voll beladenen Reisemobil bei sommerlicher Hitze und Autobahntempo platzen. Ein Reifenplatzer an der Vorderachse eines hohen, schweren Fahrzeugs führt zu abruptem Lenkzug und im schlimmsten Fall zum Kontrollverlust - mit Personenschaden. Prüfen Sie das Reifenalter über die DOT-Nummer und den Luftdruck vor jeder Reise, achten Sie auf Haarrisse in den Flanken und lassen Sie im Zweifel den Reifen fachkundig beurteilen, bevor Sie losfahren.

Ab wann wird der Reifen zum Risiko? Die Faustregeln zum Alter

Für das Reisemobil selbst gibt es keine Vorschrift, die sagt: Nach so und so vielen Jahren muss der Reifen runter. Was es gibt, sind gut begründete Empfehlungen - und die sollten Sie ernst nehmen, gerade beim Reisemobil.

Als Faustregel gilt: Ab einem Alter von etwa sechs Jahren gehört ein Wohnmobil-Reifen regelmäßig fachkundig geprüft, und spätestens nach rund zehn Jahren gehört er ersetzt, unabhängig vom Restprofil und selbst dann, wenn er kaum gefahren wurde. Verstehen Sie das als Orientierung, nicht als starre Grenze - ein pfleglich gelagerter Reifen kann länger halten, ein rissiger schon nach sieben Jahren fällig sein. Der Zustand entscheidet, das Alter gibt den Takt vor.

Hier lohnt eine wichtige Abgrenzung, weil sie oft durcheinandergeht. Für Gespanne mit einer sogenannten Tempo-100-Zulassung - also einem Wohnwagen oder Anhänger mit der bekannten 100-km/h-Plakette - gilt tatsächlich eine feste Altersgrenze: Nach § 3 der 9. StVO-Ausnahmeverordnung müssen die Reifen des Anhängers zum Zeitpunkt der Fahrt jünger als sechs Jahre und mindestens mit der Geschwindigkeitskategorie L, also 120 km/h, gekennzeichnet sein. Das ist eine Bedingung dieser Plakette und betrifft den Anhänger, nicht das Zugfahrzeug. Für das Reifenalter Ihres selbstfahrenden Reisemobils ist das keine allgemeine Austauschpflicht - dort bleibt es bei der Empfehlung.

Warum drängen Fachleute beim Reisemobil trotzdem eher zum Wechsel als beim Pkw? Weil die Fahrleistung niedrig ist. Viele Reisemobile fahren im Jahr wenige tausend Kilometer. Das Profil hält also ewig - und das ist die Falle. Der Reifen wird alt, bevor er abgefahren ist. Ein zwölf Jahre alter Reifen mit sieben Millimetern Profil gehört trotzdem herunter.

Lastindex und Geschwindigkeitsindex: die zwei Zahlen, die zählen

Auf der Flanke steht eine Kombination wie zum Beispiel 225/75 R 16 CP 116 R. Die ersten Angaben sind die Breite in Millimetern, das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent und der Felgendurchmesser in Zoll. Interessant für die Sicherheit sind die letzten beiden: die Zahl vor dem Buchstaben ist der Lastindex, der Buchstabe der Geschwindigkeitsindex.

Der Lastindex (kurz LI) ist eine Codezahl für die maximale Tragfähigkeit eines einzelnen Reifens. Jede Zahl steht für einen bestimmten Wert in Kilogramm, ablesbar in einer genormten Tabelle. Je höher die Zahl, desto mehr darf der Reifen tragen. Für Sie heißt das: Die Summe der Tragfähigkeiten der beiden Reifen einer Achse muss mindestens die eingetragene Achslast Ihres Fahrzeugs abdecken. Beim beladenen Reisemobil, das ohnehin nahe an seinen Achslasten fährt, ist das keine akademische Größe - hier zählt jedes Kilo.

Der Geschwindigkeitsindex (das Geschwindigkeitssymbol) ist der Buchstabe dahinter. Er gibt an, bis zu welchem Tempo der Reifen geprüft und freigegeben ist. Je weiter hinten im Alphabet, desto höher die Freigabe. Ein Reisemobil braucht keinen sportlichen Hochgeschwindigkeitsindex, der eingetragene Wert ist aber ein Mindestwert; eine Ausnahme gibt es für Winterreifen, dazu mehr im Abschnitt über Sommer und Winter.

Und hier ist der Punkt, der beim schweren, voll beladenen Reisemobil entscheidend ist: Lastindex und Geschwindigkeitsindex dürfen nicht unter den Werten liegen, die für Ihr Fahrzeug vorgesehen sind. Ein Reifen mit zu niedrigem Lastindex ist am beladenen Wohnmobil chronisch überfordert - er läuft heiß, die Karkasse arbeitet über ihre Grenze, und bei Hitze und Tempo steigt das Risiko eines Schadens deutlich. Höhere Indizes als vorgeschrieben sind erlaubt.

Die CP-Kennung: Warum sie für viele Reisemobile die richtige Wahl ist

Jetzt zu dem Kürzel, das viele auf ihren Reifen finden und nicht recht einordnen können: CP. Es steht direkt hinter der Reifengröße, etwa so: 225/75 R 16 CP.

CP heißt „Camping Pneu“ - ein Reifen, der speziell für Reisemobile ausgelegt ist. Zum Vergleich: Ein „C“ allein steht für „Commercial“, also einen verstärkten Transporterreifen. Der CP-Reifen ist die Camping-Variante mit verstärkter Karkasse und Flanke. Das tragende Grundgerüst unter der Lauffläche ist robuster gebaut, damit der Reifen die dauerhaft hohe Last eines Reisemobils besser verkraftet.

Der praktische Vorteil steckt im Luftdruck. Weil die Karkasse verstärkt ist, darf ein CP-Reifen mit höherem Druck gefahren werden - je nach Modell in Größenordnungen bis etwa 5,5 bar. Höherer Druck bedeutet mehr Tragreserve und eine stabilere Flanke, was zum hohen, wankfreudigen Aufbau eines Reisemobils passt. Deshalb sind CP-Reifen für viele Reisemobile die naheliegende Wahl.

Muss es zwingend ein CP-Reifen sein? Das kommt darauf an, und die Antwort steht in Ihren Papieren. Schauen Sie in die Zulassungsbescheinigung Teil I, in die Felder 15.1 und 15.2. Dort ist die zugelassene Reifengröße samt Mindest-Lastindex eingetragen - und, falls für Ihr Fahrzeug vorgeschrieben, auch die CP-Kennung. Steht dort CP, ist das bindend. Bei vielen Kastenwagen und kleineren Teilintegrierten lässt der Hersteller dagegen auch einen C-Reifen mit ausreichendem Last- und Geschwindigkeitsindex zu. Entscheidend ist immer die Freigabe für Ihr konkretes Fahrzeug, nicht der Rat aus einem Forum.

Beachten Sie immer die Freigaben und Angaben in Ihrem Fahrzeug- und Aufbauhandbuch. Welche Reifengrößen und Drücke für Ihr Fahrzeug freigegeben sind, steht dort, in der Zulassungsbescheinigung und in der Übereinstimmungsbescheinigung (COC).

Reifendruck nach Achslast: der oft unterschätzte Hebel

Der richtige Luftdruck ist beim Reisemobil kein Nebenschauplatz. Er ist das Bindeglied zwischen der Tragfähigkeit auf der Flanke und dem tatsächlichen Gewicht auf der Achse - denn die Tragkraft eines Reifens hängt direkt vom Fülldruck ab. Sinkt der Druck, sinkt die Tragfähigkeit. Ein Reifen mit hohem Lastindex, aber zu wenig Luft, trägt weniger, als die Zahl auf der Flanke verspricht.

Deshalb richtet sich der korrekte Druck für Wohnmobil-Reifen nach der real anliegenden Achslast, nicht nach einem Pauschalwert vom Pkw. Wer schwer beladen reist, braucht mehr Druck als jemand, der nur zu zweit mit halbem Wassertank unterwegs ist. Die passenden Werte finden Sie in der Reifendruck-Tabelle des Reifenherstellers, abgestimmt auf Reifengröße und Achslast, oder in den Vorgaben des Fahrzeugherstellers.

Ein handfester Rat aus der Praxis: Fahren Sie einmal voll beladen - mit vollem Wassertank, Gas, Fahrrädern, allem - über eine öffentliche Waage und lassen Sie die Achslasten einzeln wiegen. Erst dann wissen Sie, was Ihre Reifen tatsächlich tragen und welchen Druck sie brauchen. Die Zahl im Prospekt gilt für ein Fahrzeug ohne Ihr Gepäck; die Waage zeigt, was Ihres auf die Achsen bringt.

Standplatten und Lagerung: was das lange Stehen anrichtet

Zurück zur Standzeit, denn sie hinterlässt Spuren, die Sie erst beim Losfahren spüren: ein Rumpeln, eine Unwucht, ein Vibrieren im Lenkrad, das sich nach ein paar Kilometern legt - oder eben nicht. Das ist der Standplatten.

Was da passiert, ist reine Physik. Steht ein schwerer Reifen monatelang auf derselben Stelle, wirkt auf die Aufstandsfläche dauerhaft dieselbe Druckspannung. Im frischen, elastischen Gummi federt das nach dem Losfahren zurück. Im gealterten, verhärteten Gummi nicht mehr vollständig - aus der elastischen wird eine bleibende, plastische Verformung. Der Reifen bekommt eine Flachstelle. Kälte und Hitze verschärfen das, weil sie die Elastizität zusätzlich mindern. Auch hier zeigt sich wieder: Ein alter Reifen leidet unter dem Stehen mehr als ein junger.

Dagegen hilft, den Reifen zu entlasten und die Belastung zu verteilen. Die Anleitung eines Aufbauherstellers nennt für die Stilllegung: Reifen bis zum empfohlenen Höchstdruck aufpumpen, vor direkter Sonne schützen und das Fahrzeug entweder aufbocken, sodass die Räder entlastet sind, oder alle vier Wochen bewegen. Bewegen heißt dabei so weit, dass eine andere Stelle des Reifens aufliegt; eine volle Radumdrehung bringt dieselbe Stelle wieder nach unten. Aufgebockt wird auf geeigneten Unterstellböcken, die angebauten Stützen sind nach derselben Anleitung kein Wagenheber. Vor der nächsten Fahrt gilt wieder der Fahrdruck.

Sommer, Winter oder Ganzjahr: Was passt aufs schwere Reisemobil?

Viele Reisemobilisten fahren ihr Fahrzeug ganzjährig, aber selten im tiefen Winter. Für diese Nutzung sind Ganzjahresreifen ein bequemer Kompromiss - vorausgesetzt, sie sind winterfähig im rechtlichen Sinn. Und hier gilt seit Oktober 2024 eine strengere Regel.

In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte dürfen Sie nur mit Reifen fahren, die das Alpine-Symbol tragen - das kleine Bergpiktogramm mit der Schneeflocke, kurz 3PMSF. Die frühere Übergangsregelung für ältere Reifen, die nur die Kennung „M+S“ tragen, ist am 30. September 2024 ausgelaufen. Ein reiner M+S-Reifen erfüllt die situative Winterreifenpflicht nicht mehr. Achten Sie beim Kauf also auf das Bergpiktogramm, nicht nur auf „M+S“; auf dieses Zeichen stellt § 2 Abs. 3a StVO ab.

Für ein schweres Reisemobil zählt dabei ein Punkt doppelt: der Bremsweg. Dreieinhalb Tonnen und mehr brauchen auf nasser oder verschneiter Fahrbahn deutlich länger zum Stehen als ein Pkw. Ein Reifen, der bei Kälte hart wird und keinen Grip aufbaut, verlängert diesen ohnehin langen Bremsweg zusätzlich. Wenn Sie also im Winter unterwegs sind - sei es zum Skiort, sei es nur auf einer kalten Rückfahrt im November - gehören Reifen mit Alpine-Symbol an Ihr Fahrzeug. Beachten Sie außerdem, dass die Regeln in Österreich, Italien und der Schweiz abweichen und teils datums- oder streckenabhängig sind; prüfen Sie das vor jeder Auslandsreise.

Und die CP-Frage bleibt auch hier bestehen: Es gibt Wohnmobil-Winter- und -Ganzjahresreifen mit CP-Kennung. Wenn Ihre Papiere CP vorschreiben, muss auch der Winterreifen diese Kennung tragen. Beim Lastindex gilt dasselbe wie im Sommer. Einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex lässt § 36 Abs. 5 StVZO bei Winterreifen zu, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Blickfeld des Fahrers angegeben ist und Sie sie im Betrieb nicht überschreiten.

Der Blick auf die Details: Ventile, Ersatzrad und die richtige Montage

Wenn Sie schon einmal beim Reifenwechsel sind, lohnt der Blick auf die kleinen Teile, die gern vergessen werden. Das Ventil zum Beispiel altert wie der Reifen. Ein sprödes Gummiventil verliert schleichend Luft - und schleichender Druckverlust ist am Reisemobil doppelt tückisch, weil er die Tragfähigkeit senkt, ohne dass Sie es beim Fahren sofort merken. Lassen Sie die Ventile beim Reifenwechsel gleich mit erneuern; das kostet wenig und schließt eine stille Fehlerquelle.

Bei CP-Reifen kommt ein Punkt dazu: Gefahren werden sie mit bis zu 5,5 bar, einfache Gummiventile zum Einknöpfen sind nach Herstellerangaben aber nur für höchstens 4,5 bar ausgelegt. Dort gehören Metallventile hinein oder Ventile, die ausdrücklich für den höheren Druck freigegeben sind.

Und weil wir beim schleichenden Druckverlust sind: Ein Reifendruckkontrollsystem haben längst nicht alle Reisemobile an Bord. Für Pkw ist es seit November 2014 Pflicht, Wohnmobile über 2,5 Tonnen waren davon aber lange ausgenommen. Spätestens seit Juli 2026 gehört es nach den neuen EU-Vorschriften für Sicherheitssysteme zu jedem neu zugelassenen Reisemobil bis 3,5 Tonnen; für schwerere steht es nicht auf der Pflichtliste, und für ältere Fahrzeuge gibt es keine Nachrüstpflicht.

Schauen Sie nach, ob Ihr Fahrzeug eines hat und ob es nach dem Reifenwechsel neu angelernt wurde. Wo keines verbaut ist, ist ein nachgerüstetes System aus meiner Sicht eine der sinnvollsten Investitionen an einem schweren Reisemobil. Es meldet den langsam fallenden Druck, den Sie am Lenkrad nie spüren würden.

Ein zweiter Punkt: Viele moderne Reisemobile haben gar kein vollwertiges Ersatzrad mehr an Bord, sondern nur ein Pannenset oder einen Kompressor. Das mag beim Pkw reichen - bei einem schweren, hohen Reisemobil, oft in abgelegener Gegend unterwegs, ist ein Reifenschaden ohne Reserverad ein echtes Ärgernis. Prüfen Sie, ob und wo bei Ihnen ein Ersatzrad verstaut ist, ob es überhaupt zur montierten Größe passt und ob sein eigenes Reifenalter noch in Ordnung ist. Ein zwölf Jahre altes Ersatzrad im Heckstaukasten hilft im Ernstfall wenig.

Und schließlich die Montage selbst: Reifen für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse gehören in eine Werkstatt, die mit dem passenden Druck, dem korrekten Anzugsmoment der Radschrauben und dem anschließenden Auswuchten umgehen kann. Ein unwuchtiges Rad an einem schnell laufenden, schweren Fahrzeug überträgt Vibrationen auf Radlager und Lenkung - und macht die Fahrt auf Dauer unangenehm und im Zweifel unsicher. Nach den ersten 50 bis 100 Kilometern lohnt es sich, die Radschrauben noch einmal nachziehen zu lassen; die Werkstatt weist Sie in der Regel darauf hin.

Was TÜV und Gesetz von Ihren Reifen erwarten

Der rechtliche Rahmen ist beim Reifen erfreulich klar: Ihre Wohnmobil-Reifen müssen zu den Angaben Ihrer Zulassungsbescheinigung passen. Größe, Mindest-Lastindex, Geschwindigkeitsindex und - falls dort vermerkt - die CP-Kennung sind bindend. Höhere Indizes sind erlaubt, niedrigere nicht, mit der Ausnahme für Winterreifen aus § 36 Abs. 5 StVZO. Wer eine Größe fahren will, die nicht in den Papieren oder der COC-Bescheinigung steht, braucht dafür eine Abnahme durch eine Prüforganisation.

Bei der Hauptuntersuchung schaut der Prüfer auf den Zustand und die Zulässigkeit der Reifen. Passen Größe, Ausführung, Tragfähigkeit oder Geschwindigkeitskategorie nicht zu den Vorschriften, führt der Mängelkatalog der HU-Richtlinie das als erheblichen Mangel; die Plakette gibt es dann erst nach der Nachprüfung. Sind die Reifen für den tatsächlichen Gebrauch unzureichend, gilt das dort als gefährlicher Mangel.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er gilt vor allem für Deutschland - in Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln. Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei Ihnen konkret wird, fragen Sie die zuständige Stelle oder anwaltlichen Rat.

Der Blick, der Sie sicher losfahren lässt

Am Ende ist es eine Sache von einer Viertelstunde. Bevor Sie in die Saison starten, gehen Sie einmal um Ihr Reisemobil herum. Lesen Sie an jedem Reifen die DOT-Nummer und rechnen Sie das Alter aus, das Reserverad eingeschlossen. Fahren Sie mit dem Daumen über die Flanken und suchen Sie nach feinen Rissen. Werfen Sie einen Blick in die Zulassungsbescheinigung, ob Größe, Lastindex und gegebenenfalls die CP-Kennung stimmen. Und prüfen Sie den Druck - passend zur beladenen Achslast, nicht nach Gefühl. Wer seine Reifen so liest, weiß, was ihn trägt. Und das ist, bei dreieinhalb Tonnen auf vier Handflächen, ein sehr beruhigendes Gefühl.

❓ Häufige Fragen zu Wohnmobil-Reifen

Wie lese ich das Alter meines Wohnmobil-Reifens ab?

Suchen Sie an der Reifenflanke die Buchstaben DOT und lesen Sie die letzten vier Ziffern der Kennung. Die ersten beiden nennen die Produktionswoche, die letzten beiden das Jahr. „2419“ bedeutet also 24. Woche 2019.


Wann sollte ich Wohnmobil-Reifen ersetzen, auch wenn noch Profil da ist?

Als Orientierung gilt: ab etwa sechs Jahren regelmäßig fachkundig prüfen lassen und spätestens nach rund zehn Jahren ersetzen, unabhängig vom Restprofil. Gummi altert auch im Stand und verhärtet. Der Zustand entscheidet, das Alter gibt den Takt vor.


Was bedeutet die CP-Kennung auf einem Reifen?

CP steht für „Camping Pneu“, einen speziell für Reisemobile ausgelegten Reifen mit verstärkter Karkasse und Flanke. Er ist für dauerhaft hohe Last gebaut und darf mit höherem Luftdruck gefahren werden. Für viele Reisemobile ist das die naheliegende Wahl.


Muss mein Reisemobil zwingend CP-Reifen haben?

Das hängt von Ihrer Zulassungsbescheinigung ab. Schauen Sie in Teil I, Felder 15.1 und 15.2. Steht dort CP, ist es bindend. Bei vielen Kastenwagen lässt der Hersteller auch einen C-Reifen mit ausreichendem Last- und Geschwindigkeitsindex zu. Entscheidend ist die Freigabe für Ihr Fahrzeug.


Was sagen Lastindex und Geschwindigkeitsindex aus?

Der Lastindex ist eine Codezahl für die maximale Tragfähigkeit eines Reifens in Kilogramm, der Geschwindigkeitsindex ein Buchstabe für das freigegebene Höchsttempo. Beide dürfen die für Ihr Fahrzeug eingetragenen Werte nicht unterschreiten; für Winterreifen lässt § 36 Abs. 5 StVZO einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex zu, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Blickfeld des Fahrers angegeben ist. Höhere Werte sind erlaubt.


Wie vermeide ich einen Standplatten in der Standzeit?

Pumpen Sie die Reifen für die Standzeit bis zum empfohlenen Höchstdruck auf, schützen Sie sie vor direkter Sonne und bewegen Sie das Fahrzeug alle vier Wochen so weit, dass eine andere Stelle des Reifens aufliegt - oder bocken Sie es auf geeigneten Unterstellböcken auf, sodass die Räder entlastet sind. Vor der nächsten Fahrt stellen Sie wieder den Fahrdruck ein.


Welchen Reifendruck braucht mein Wohnmobil?

Der richtige Druck richtet sich nach der tatsächlichen Achslast, nicht nach einem Pauschalwert. Wiegen Sie Ihr beladenes Fahrzeug achsweise auf einer öffentlichen Waage und nutzen Sie die Reifendruck-Tabelle des Reifenherstellers. Bei geringerem Druck sinkt auch die Tragfähigkeit des Reifens.

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